Spumante von Vigneti Pittaro

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Der Betrieb Vigneti Pittaro wurde 1970 von Pietro Pittaro gegründet. Er ist Nachfahre einer Familie, die schon seit mehr als 450 Jahren Weinbau betreibt. Zum Unternehmen gehören 75 Hektar Weinberge im Gebiet der Denomination DOC Grave del Friuli. Bei den Böden handelt es sich um steiniges, mageres Land – welches gut für den Weinbau geeignet ist.

Geduld für einen guten Sekt
Der Talento von Pietro hat aufgrund seines ungewöhnlich hohen Anteils an Pinot Bianco (Weißburgunder) unsere Neugier geweckt. Üblicherweise ist sie von den drei zugelassenen Rebsorten für Talento Weine welche nach der klassischen Methode produziert werden, die mit der geringsten Menge. Im Vordergrund stehen meist Chardonnay und Pinot Nero (Spätburgunder). Diese werden oft sogar sortenrein verwendet oder sind zumindest mit einem überwiegenden Anteil im Sekt vertreten. Pinot Bianco wird so gut wie nie sortenrein eingesetzt, oft überhaupt nicht verwendet – und wenn er doch benutzt wird, dann nur mit einem sehr geringen Anteil. Seine Vorzüge erkennt man eher am Gaumen als im Duft. Seine Hauptaufgabe besteht darin, mehr Frische und Struktur zu vermitteln, ohne die Gesamterscheinung des von Pinot Nero und Chardonnay geprägten Aromabildes zu verändern. Im Talento Brut von Vigneti Pittaro ist Pinot Bianco jedoch mit einem Anteil von 40% enthalten. Ebenso viel entfällt auf Chardonnay (40%) und nur 20% auf Pinot Nero. Bei einer solchen Cuvée erwartet man einen im Geschmack gut strukturierten und körperreichen Talento mit eher zurückhaltendem Duft. Weit gefehlt wie sich bei der Degustation ergeben sollte:

Duft und Struktur
Beim Einfüllen ins Glas entwickelt der Brut Millesimato von Pittaro einen eleganten, cremigen Schaum, der lange anhält. Ihm folgt eine dichte Perlage aus zahlreichen feinen Bläschen. Er besitzt eine leuchtende, strohgelbe Farbe mit goldenen Nuancen. Insgesamt sehr schön anzuschauen. Führt man das Glas unter die Nase, erkennt man einen äußerst kräftigen und sehr harmonischen Duft. Ganz besonders fallen frische, fruchtige Noten auf. Dies erhält eine besondere Bedeutung, da es sich um ein Produkt mit sehr langer Hefe- und anschließender Flaschenlagerung handelt, dass erst nach 8 Jahren auf den Markt kommt. Ohne jede Schwäche gibt sich das hohe Alter nur durch eine reife harmonische Verbindung seiner Aromen zu erkennen. Im Vordergrund stehen Noten von Südfrüchten, zu denen der Duft nach Apfel und Birne hinzu kommen. Im Hintergrund erscheinen feine Noten, die an Konditorgebäck erinnern. Am Gaumen wird die hohe Erwartung durch eine besonders ausgeprägte Struktur zufrieden gestellt, zu der sofort eine von einer gut eingebundenen Säure stammende Frische ausgleichend hinzu kommt. Die vielfältigen Aromen mit Noten von reifer gelber Frucht im Vordergrund halten sehr lange an. Insgesamt braucht man bei diesem Talento nicht auf die gefällige Frische eines guten Sektes zu verzichten und erhält gleichzeitig einen vollständig runden Wein mit robuster Struktur. Damit eignet er sich nicht nur hervorragend als Aperitif, sondern kann auch sehr gut zum Essen genossen werden, insbesondere als Begleiter zu Gemüsegerichten, Fisch und sogar zu hellem Fleisch. Konzentriert man sich auf regionale Spezialitäten, kommt man an einer Kombination dieses Talento mit San-Daniele Schinken nicht vorbei.

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Mit Liebe zum Detail
„Der Pinot Bianco ist eine der großartigsten hellen Traubensorten der Welt. Es handelt sich lediglich um eine Modeerscheinung, wenn er zur Zeit nicht angemessen gewürdigt wird“, meint Pietro Pittaro, als wir ihn nach seinem Talento fragen. Diese Überzeugung schöpft er aus seiner langen Erfahrung und der aufmerksamen Beobachtung der Charakteristik von Traubensorten und Böden. „Früher verwendeten wir deutlich mehr Pinot Nero, dessen Anteil wir immer weiter reduzierten. Wir stellen nämlich fest, dass er zwar eine schneller erkennbare Gefälligkeit vermittelt, den Sekt aber gleichzeitig auch schneller altern lässt. Das muss nicht überall zutreffen, doch in unserer Gegend ist dies so.“ Pittaro findet es sehr wichtig, dass sich auch ein Sekt lange hält: „Gleich zu Beginn ist es wichtig, dass man den Basiswein sofort, wenn er fertig ist, mit der Zugabe von Hefe und Rohrzucker zum Gären bringt und ihn hierzu in die entsprechenden Flaschen füllt und verschließt. Doch dies ist nur die erste Bedingung ganz zu Anfang. das größte Geheimnis – welches eigentlich gar kein Geheimnis ist – besteht darin, den Schlüssel zum Weinkeller wegzuwerfen und den Wein zunächst einmal ganz zu vergessen.“

Time is Master
Die Zeit des Vergessens  dauert bei dem Millesimato von Pittaro immerhin sechs lange Jahre. Erst danach werden die Flaschen abgestaubt und in den Rüttelbock gesteckt. Ist die Hefe schließlich in den Flaschenhals gewandert, wird diese entfernt. Wie bei jedem Sekt der nach der klassischen Methode hergestellt wird, wird der Verlust in der Flasche mit der Zugabe des „Liqueur d’Expédition“ (Versanddosage) ausgeglichen, mit dem unter anderem der Zuckergehalt auf das gewünschte Niveau gebracht wird. „Mit dieser Zugabe erhält der Sekt auch seine ganz persönliche Geschmacksnuance“, erklärt Pittaro. Wie alle Sekthersteller gibt auch Pietro Pittaro das Rezept seiner Versanddosage nicht preis, sondern hütet es als Betriebsgeheimnis. Aber auch hier macht er deutlich, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt. „Neben dem Zucker verwenden wir auch viel Wein aus getrockneten Trauben. Ich möchte den Weintyp nicht gerne nennen, kann aber verraten, dass es sich um einen im Barriquefass gereiften Wein handelt, der dem Sherry ähnelt. Jedesmal, wenn ich dem Fass eine gewisse Menge entnehme, wird es gleich wieder aufgefüllt.“ Immerhin verrät Pittaro uns noch ein Geheimnis, welches die Verwendung der Rebsorten betrifft: „Bei dem Chardonnay in meinen Weinen handelt es sich fast immer um Chardonnay Mousqúe, die Rebsorte der großen Weine des Burgund, auch wenn die Franzosen ihn einfach nur als Chardonnay bezeichnen.“ Für uns erklärt dies auch die überraschende Kraft und Eleganz der Aromen im Wein von Pittaro. Der Chardonnay Mousqué ist eine besonders aromaintensive Variante dieser Rebsorte, die fast schon an aromatisch-würzige Rebsorten wie Muskateller erinnert. Auf diesen bezieht sich der Namenszusatz. In Burgund war diese Variante schon immer besonders weit verbreitet, die angestammte Aufmerksamkeit wurde ihr aber erst in den letzten Jahren zuteil.

Qualität und Jahrgang
Wir wollten gerne noch wissen, wie der Produzent den aktuellen Jahrgang im Vergleich zu den vorhergehenden Jährgängen und zu den derzeit im Keller reifenden Jahrgängen einschätzt: „Aktuell war ein guter Jahrgang. Nicht außergewöhnlich wie 1992, als das Wetter uns unübertreffliche Weine schenkte, aber auf alle Fälle ziemlich gut. Ähnliches gilt für das Folgejahr, doch dieser ist noch nicht fertig. 2003 stellten wir keinen Millesimato (= Jahrgangssekt) her, weil die Traubenqualität dafür nicht ausreichte.“ Detaillierter möchte sich Pietro zu diesem Thema nicht äußern. Für einen guten Wein braucht man einfach sehr viel Geduld. Man benötigt auch einige Jahre Erfahrung, um beurteilen zu können, wann man einen Millesimato herstellen kann. Wenn der Sekt nicht dem vom Produzenten gesetzten hohen Niveau entspricht, wird er ohne Jahrgangsangabe auf dem Etikett angeboten und zu einem günstigerem Preis verkauft.

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