Prosecco

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Noch um 1990 herum verging kaum ein Tag mit der Frage: „Was ist das: Prosecco?“ Das wird heute nicht mehr gefragt. Der Unkenntnis folgte die „einfache Erkenntnis“, es handle sich um ein banales, schäumendes Wein-Getränk. Doch, es ist nicht leicht guten Prosecco zu machen und es ist auch nicht leicht zu erkennen, was guter Prosecco ist. In unserer lauten, hektischen und umtriebigen Zeit fehlt häufig das Gespür für die leisen Töne. Das ist das Problem dem Prosecco auf die Spur zu kommen. Es ist ein Perlwein dessen Entstehung auf eine lange, lokale Geschichte mit großer Tradition zurückgeht. Die Neuzeit trägt mit besseren Erkenntnissen der Rebaufzucht und der Weinbereitung, sowie mit beserer Keller- und Kühltechnik zum Gelingen bei.

Prosecco: klingt gut, oder?
Man könnte fast annehmen , ein mit allen Schaumweinen gewaschener Marketing-Stratege hätte sich diesen Namen ausgedacht! Pro hört sich schon gewaltig positiv an – wer wäre nicht für einen trockenen Tropfen, ganz secco? Glera heißt die Traubensorte seit Neuestem, und die gibt’s in Venetien schon seit Jahrhunderten. Wie den prickelnden Wein, den Prosecco frizzante, aus Conegliano und Valdobbiadene in der Provinz Treviso. Die Landschaft, in der die weiße Traube auf genau begrenzten Hügeln gedeiht, liegt traumhaft zwischen sich weit schwingenden Hügeln nördlich von Venedig.

Prosecco der Bauernwein von einst
Der Prosecco war lange Zeit nichts als ein ländlicher, aber delikater, erfrischender Wein, der hauptsächlich an Ort und Stelle getrunken wurde und höchstens bis Venedig reiste. Erst in den letzten Jahren füllt man ihn vermehrt auf Flaschen; so kann er in größeren Mengen die Gegend auch verlassen und mittlerweile avancierte er zum neuen Star am Bläschen-Himmel. Spät vormittags im Café ist er genauso richtig wie am frühen Abend in der Bar; Prosecco tut gut als Aperitif und als kühle Stärkung in heißen Nächten. Je nach Qualitätsvorstellungen des Produzenten gehen Anbau, Lese und Ausbau in unterschiedlicher Weise vonstatten. Die Genossenschaften und industriell arbeitenden Betriebe haben kaum die Möglichkeiten das verschiedene Lesegut und die Lagen zu trennen. Im Gegensatz dazu lassen die fähigen der kleineren Erzeuger, den Wein auch im Keller und Weinberg ein perönliches Programm zukommen. Das Traubengut wird vorzugsweise in kleinen Kisten angeliefert, damit es nicht zerdrückt. So rasch wie möglich erfolgt die Pressung. Je geringer hierbei der Druck ist, desto besser, wobei der Traubensaft am besten gar nicht mit Luft in Kontakt kommen darf, denn der Sauerstoff zerstört die zarten Blütenaromen. Die ersten Überlegungen, einen stabilen und wirklich reisefähigen und seine Jugendlichkeit länger bewahrenden Prosecco zu erzeugen, gehen ins letzte Jahrhundert zurück. Man fand heraus, daß der Prosecco seine charakteristischen Eigenschaften behält, wenn man ihn bei niedriger Temperatur im Faß vergären läßt. Wenn Sie sich für Prosecco interessiern, so sollten Sie sich weniger an Äußerlichkeiten, wie der Farbe der Flasche orientieren, sondern danach wer und wie den Prosecco erzeugt.

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Prosecco bei www.gerardo.de

Prosecco: Siegeszug eines Perlweins?
Die Vermassung dieses an sich eleganten und zarten Perlweines aus dem östlichen Veneto wirft Fragen auf. Seine Erzeugung ist eigentlich so gering, daß schon die Inlandsnachfrage Italiens kaum befriedigt werden kann. Immer wieder gibt es Versuche die limitierte Prosecco-Produktion durch Manipulation mit gebietsfremden Fassweinen zu erhöhen. Zudem wird immer mehr (Prosecco?)-Wein von weit ausserhalb der ursprünglichen Produktionszone abgefüllt, wobei die Qualitäten meist sehr bescheiden sind, da sie aus exorbitanten Massenerträgen stammen – aber es steht ja auch hier Prosecco auf der Flasche. Somit ist Prosecco rasch zum Synonym für ein banales, alkoholisches Getränk verkommen. Nur sehr wenige kennen und wissen um die wirkliche und sehr traditionelle Geschichte dieses Weines, dessen Qualität nur in einem sehr begrenzten Gebiet tatsächlich zur Geltung kommt.

Ständig neue Prosecco-Marken
Neu auf den Markt geworfene Prosecco-Marken sollen das Gefühl einer sehr innovativen Szene vermitteln, die den Prosecco anscheinend ständig neu „erfinden“. Modisches Getue und Firlefanz lassen den Blick vom tatsächlichen Produkt abschweifen, sie verstellen den Blick auf das was Prosecco tatsächlich war und ist. Das Instrument Marketing rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Leuchtend blau eingefärbte Flaschen avancieren zum Markenzeichen eines Perlweins, der auf eine überaus seriöse und interessante Enstehungsgeschichte zurück blicken kann.

Was ist Prosecco?
In erster Linie ist Prosecco der Name einer jahrhundertealten Weißweinrebe des östlichen Venetines, welche ihre besten Ergebnisse im Gebiet von Conegliano-Valdobbiadene hat. Traditionell wird Prosecco vor Ort als Perlwein konsumiert. Perlwein ist noch kein Schaumwein [Sekt], aber auch kein Stillwein mehr. Die Sättigung des Prosecco mit Kohlensäure war von je her im Bereich des Perlweins, überschritt also nie 3 bar Druck. Der Schritt zum Perlwein wird heute durch eine Zweitgärung im Drucktank vollzogen, bei dem die enstandene Kohlensäure nicht entweichen kann [bis 3 bar]. Erst in der neueren Zeit war es industriellen Erzeugern möglich den Prosecco als Sekt herzustellen, ihn also mit deutlich mehr Kohlensäure als 3 bar in Flaschen zu füllen. Allerdings hat mehr Kohlensäure auch zur Folge, daß der Zuckergehalt, die sogenannte Dosage deutlich höher ausfällt. Zur Abpufferung des mehr an Kohlensäure wird deshalb Zucker verwendet, da sonst Prosecco [als Sekt] deutlich sauer schmecken würde.

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