Muri Gries

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‚Geschichte, Tradition, Forschung – mit diesem Incipit ist die uralte Stiftskellerei Muri-Gries treffend beschrieben. 1407 schenkte Erzherzog Leopold die Burg Gries obdachlosen Mönchen, die daraus ein Kloster machten. Die alte Kapelle wurde in einen Keller umfunktioniert – heute reift darin der Lagrein. Christian Werth setzte als einer der Ersten auf diese Sorte. Er strukturierte die alten Rebgärten um und selektionierte die hochwertigsten Klone.‘ – Gambero Rosso

Die Grafen von Bozen sind es, die gegen des 11. Jahrhunderts im Zentrum des einstigen ‚Cheller‘, dem heutigen “Gries“, einen befestigten Stützpunkt errichten – als Gegenpol zur damals von Trientner Bischöfen beherrschten Stadt Bozen. Der Name Gries taucht um 1185 erstmals auf. Erst im 15. Jahrhundert verdrängt er aber “Cheller“, den alten Namen der Gegend. Meinhard II von Görz-Tirol residierte als reichsunabhängiger Landesfürst im Kastell von Gries, das bereits um 1200 mit einem mächtigem Burgfried versehen wurde. Dieser ist heute noch im Glockenturm erhalten. Herzog Leopold, Landherr von Tirol, schenkt 1407 die Burg den obdachlosen Augustiner-Chorherren, deren Kloster in der Au überschwemmt wurde. Die Burganlage wird zum Kloster umgebaut. 1416 entsteht an der Stelle der alten Schlosskapelle eine zweischiffige gotische Kirche, die allerdings 1788 durch den Bau der neuen Barockkirche ihre Funktion wieder verliert.

1845 schlägt schliesslich die Geburtsstunde von Muri-Gries: die aus ihrem 1027 gestifteten Kloster Muri im Schweizer Kanton Aargau vertriebenen Benedektiner ziehen in das inzwischen aufgehobene Augustinerchorherrenstift Gries ein. Ein neuer Abschnitt in der jahrhundertealten Geschichte von Burg und Kloster zu Gries beginnt: Die Geschichte von Muri-Gries. Knapp 30 Hektar Weinbau, 52 Hektar Obstbau, ein Bergbauernhof in Kampidell bei Jenesien mit 145 Hektar Wiesen und Wald, Viehzucht – 45 Stück Großvieheinheiten stehen im Stall – und Holzwirtschaft gehören heute zum landwirtschaftlichen Betrieb von Kloster Muri-Gries. Hinzu kommt die Klostergärtnerei mit dem gepflegten Klostergarten, der auch den Blumenschmuck für die Kirche liefert. Über Jahrhunderte hinweg ist das Kloster Selbstversorger, was die landwirtschaftlichen Produkte und Nahrungsmittel anbelangt. Auch der selbst gekelterte Wein diente für lange Zeit vorwiegend dem eigenen Bedarf im Kloster. Mit der Ankunft der Benediktinerpatres aus Muri im Jahre 1845 beginnt ein neuer Abschnitt in der Weinbaugeschichte des Klosters zu Gries. Die Mönche nehmen ihre Ordensregel “ora et labora“ auch in den klösterlichen Weinbergen ernst. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert öffnet sich der Kellerei von Muri-Gries. Die ersten größeren Weinverkäufe gehen mit Offenweintransporten über den Brenner in die nördlichen deutschsprachigen Länder. Der Offenweinhandel beginnt: St. Magdalener und Malvasier, Lagrein Kretzer (Rosè) und Ruländer sind es vor allem, die in den alten Kellern heranreifen.

Im Jahre 1968 kommt es in der Klosterkellerei zu einer entscheidenden Wende: Zum ersten Mal werden die eigenen Weine in größerem Stil in der Kellerei selbst auf Flaschen gefüllt. Das klassische Offenweingeschäft geht vor allem auf dem lokalen Südtiroler Markt noch einige Jahre weiter. Immer mehr setzt sich aber ein konsequentes Qualitätsdenken durch. 1985 rückt der Lagrein in der Weinhierarchie der Klosterkellerei endgültig an die erste Stelle auf. Der Lagrein beginnt sein wahres Profil zu zeigen. Muri-Gries erkennt die Werte der alten, einheimischen und oft vernachlässigten Rebsorten. Das Bewusstsein zur eigenen Tradition wird wieder neu belebt. Auf die Qualität der eigenen Rebsorten zu setzen, mit den eigenen Ressourcen zu arbeiten und darauf aufzubauen, das wird zum Erfolgsgeheimnis der Klosterkellerei. Muri-Gries ist heute ein klassischer Weinbaubetrieb mit 85% Rotweinen und 15% Weißweinen. Bei den Roten dominiert mit 80% ganz eindeutig der Lagrein.

teaser_muri_griesMuri-Gries bei www.gerardo.de

Dass der ‚Wein im Weinberg wächst‘, ist mittlerweile überall zur Selbstverständlichkeit geworden: Ohne die geeigneten Böden und das richtige Mikroklima gibt es keine großen Weine. Muri-Gries hat beides: Die Weinberge der Klosterkellerei gehören zu den besten der Gegend. Die klostereigenen Weinberge werden durchwegs mit integrierten und naturnahen Anbaumethoden bearbeitet. Geringe Stockbelastung, sowie schonende, regulierende Eingriffe auf das Pflanzenwachstum und die Umwelt, sind die Grundlagen für optimale Ernteergebnisse und eine intakte Umwelt.\n\n<strong>Bozner Lagen</strong>\n20 Hektar sind allein in Bozen mit Lagrein und Vernatsch bepflanzt. Bozner Porphyr, aufgefülltes Schwemmmaterial von der Talfer vermischt mit lehmigem Sand prägen hier die tiefgründigen Böden, die zwischen 260 und 300 Meter hoch liegen. Der Lagrein liebt die im Bozner Talkessel in den Sommer- und Herbstmonaten vorherrschenden hohen Temperaturen. Unter diesen Voraussetzungen reifen Farbe, Frucht und Struktur hin zu ihren schönsten Ausdrucksformen.\n\nDas Herzstück ist der Klosteranger, eine der größten zusammenhängenden Lagrein-Anbauflächen im Zentrum von Bozen. Der Anger ist zusammen mit der Klosteranlage denkmalgeschützt und landwirtschaftliche Bannzone. Auf 2,7 Hektar rund um das Kloster Muri-Gries, von alten Steinmauern eingegrenzt, wächst hier der beste Lagrein der Abtei. Neben alten Pergel-Anlagen aus dem Jahr 1930 prägen Neuanlagen auf Drahtrahmenerziehung mit eigenen Selektionen von Lagrein-Biotypen mit kleinbeerigen Trauben das Bild. Hinzu kommen die klassischen Grieser Lagen Stampfer mit Lagrein, die Lage Kaiserau, am Zusammenfluß von Eisack und Etsch, mit Lagrein, Rosenmuskateller und Ruländer, sowie die Lagrein-Anlagen in Morizing bei Gries.

Zehn Hektar klostereigene Weinberge befinden sich in der Überetscher Weinbaugemeinde Eppan. Gut durchlüftete, durchlässige Kalkschotterböden auf einer Meereshöhe zwischen 420 und 600 Metern bieten hier ideale Voraussetzungen. In St. Michael-Dorf wachsen vorwiegend Weißburgunder, Gewürztraminer und Vernatsch. In den exponierten Lagen der klassischen Weißwein-Zone Schulthaus in Eppan-Berg sind in den letzten Jahren sechs Hektar mit Weißburgunder, Ruländer (Pinot Grigio) und Chardonnay sowie in den hohen Lagen mit Blauburgunder bepflanzt worden.

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