Lagrein von Muri-Gries

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‚Zwar lesen wir, Wein passe überhaupt nicht für Mönche, weil aber die Mönche heutzutage sich davon nicht überzeugen lassen, …meinen wir, dass für jeden täglich eine Hermina Wein genügt.‘ – Aus der Mönchsregel des Hl. Benedikt von Nursia, 480-545

Der Wein und der richtige Umgang damit waren bereits vor 1.500 Jahren für Benedikt von Nursia, den Gründer von Monte Cassino, ein aktuelles Thema. Das ist bis heute so geblieben: Wein und Klöster sind seit jeher eng miteinander verbunden. Da ist zum einen die religiös-liturgische Bedeutung des Weines. Bereits die Bibel ist voll von Bezügen zum Rebensaft. So wird im Psalm 104 der Schöpfer gelobt für das, was er Gutes wachsen lässt, auch für ‚den Wein, der das Herz des Menschen erfreut.‘ Wein ist seit jeher Bestandteil der jüdisch-christlichen Kultur und Tradition. Für den christlichen Gottesdienst braucht es Messwein. Der Wein gehört mit seiner stärkenden und heilenden Wirkung – und in richtigen Maßen genossen – seit alters her als selbstverständliches Getränk zu unserer Lebensart. Nicht umsonst haben die Klöster in Mittel- und Südeuropa erheblichen Anteil an der Verbreitung des europäischen Weinbaus.\n\nDas Kloster Muri-Gries steht seit seiner Gründung in dieser Tradition. Wir fühlen uns verpflichtet, die Weingüter, die dem Kloster seit Jahrhunderten anvertraut sind, so sorgfältig als möglich zu bewirtschaften. Die Klosterkellerei Muri-Gries setzt auf die Möglichkeiten einer überschaubaren Eigenproduktion: vom eigenen Weinberg in den historischen Klosterkeller, vom Fass in die Flasche, ist oberstes Ziel.\n\nEs freut uns, das unsere Weine heute große Wertschätzung genießen. Das ist für die Klosterkellerei aber auch Auftrag und Verpflichtung. Es gilt, eine Jahrhunderte alte Tradition mit viel Einsatz, Augenmaß und Begeisterung fortzusetzen.

Walter Bernard, Jahrgang 1970, ist seit 1990 verantwortlich für den Weinbau im Kloster. Jede einzelne Wachstumsphase in der Natur wird aufmerksam beobachtet und mitverfolgt: vom ersten Austrieb bis zur Reife. ‚Wie kann ich im Weinberg die idealen Voraussetzungen für die Rebe und ihre Umgebung schaffen?‘. Vor dieser Herausforderung steht Walter Bernard täglich neu: “Wir versuchen die Rebe so zu erziehen wie ein Kind: Sie zu verstehen, zu sehen was sie braucht und ihr das dann auch zu geben. Wir versuchen, mit ihr so umzugehen, dass sie bei der Ernte die besten Traubenqualitäten liefert.‘

Christian Werth, Jahrgang 1961, ist seit 1988 mit Leib und Seele Önologe in der Klosterkellerei. Für ihn ist seine Arbeit gleichzeitig Hobby und Passion. Die Klostergemeinschaft steht aufgeschlossen hinter seinem engagierten Weg zwischen Tradition und Innovation. “Jeder Jahrgang ist für mich eine neue, große Herausforderung“, freut sich Christian Werth. “Das schönste und aufregendste Erlebnis im Jahreskreis ist für den Kellermeister immer wieder das Kosten und der erste Schluck des neuen, jungen Weines. Es ist so faszinierend, was die Natur jedes Jahr an überzeugender Qualität und an neuen Überraschungen hervorbringt.‘

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Muri-Gries bei www.gerardo.de

Der Lagrein ist neben dem Vernatsch die einzige autochthone Rotweinsorte Südtirols. Er ist par excellence der Rotwein von Gries. Und er ist eine wertvolle und einzigartige Rebsorte, die sich vom internationalen Einheitsgeschmack klar abhebt. Muri-Gries hat schon in der Vergangenheit immer an den Lagrein geglaubt und wird in Zukunft noch verstärkt auf ihn setzen. Oberstes Ziel der Klosterkellerei ist es heute, dem Lagrein seine typischen Charaktereigenschaften, seinen bodenständigen Geschmack, seine rustikale Eleganz und seine Identität zu belassen und dies alles sowohl im Weinberg als auch im Keller noch mehr zu fördern und herauszuarbeiten.\n\nÜber sechs Jahrhunderte an das Mikroklima angepasstes eigenes Rebmaterial mit über hundert daraus entwickelten verschiedenen Lagrein-Varianten, ein Erbe das verpflichtet. An die 20 Spielarten stehen seit Jahren in den eigenen Weinbergen unter Beobachtung. Daraus sind die Biotypen für die Neubepflanzung des Klosterangers ausgewählt worden. Immer mit dem Ziel, den besonderen Charakter der Rebsorte noch besser hervorzuheben und deren Qualität und Typizität kontinuierlich zu steigern.

Die Verantwortlichen von Muri-Gries sind mehr als nur verliebt in ihren Lagrein: ‚Der Lagrein ist seit Jahrhunderten die Rebsorte der Gegend. Er wächst und gedeiht hier hervorragend und bringt von Jahr zu Jahr ausdrucksvollere Ergebnisse. Für uns gibt es keine Alternative zum Lagrein. Er ist unser Wein und wird dies in Zukunft noch mehr sein als heute.‘ Drei verschiedene Lagrein-Typen werden heute in der Klosterkellerei Muri Gries ausgebaut:

Der traditionelle Lagrein Kretzer, die Rosè-Version ist ein süffig-spritziger, fruchtig-frischer und jugendlicher Wein, schon einige Monate nach der Ernte genussreif. Er wird zu 100 Prozent im Edelstahltank ausgebaut. Der Name “Kretzer“ wird übrigens vom Begriff “Kretze“ abgeleitet, das war ein geflochtener Korb, durch welchen früher der Most abgesiebt wurde. Rund zehn Prozent der gesamten Lagreinproduktion der Klosterkellerei entfallen heute auf den Kretzer.\n\nDer Lagrein Muri-Gries nimmt mit 70 Prozent der gesamten Lagreinmenge den Löwenanteil ein. Der Wein wird im Edelstahlfass vergoren und dann teils im Edelstahltank, teils im großen Holzfass ausgebaut. Ees ist der Lagrein für alle Tage: rubin- bis granatrot in der Farbe, fruchtig und frisch in der Nase, würzig und elegant, samtig und mit weichen Gerbstoffen im Munde.\n\nDer Lagrein Riserva Abtei ist der vollendete Ausdruck eines Südtiroler Lagrein. Der Lagrein Riserva Abtei, 1989 erstmals abgefüllt, reift nach der Vergärung 18 bis 20 Monate in kleinen Holzfässern und kommt erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt. An die 20 Prozent der besten Lagrein-Qualitäten von Muri-Gries werden dafür abgefüllt. Mit intensivem, dunklem Rubinrot, mit kräftigen, reifen Aromen von Kirschen, schwarzen Beeren und Pflaumen, würzigen Noten mit etwas Schokolade und Kaffee in der Nase, mit einer saftigen, fleischigen, finessenreichen Struktur, mit ausgeprägten, konzentrierten Gerbstoffen und samtiger Fülle, sowie mit lang anhaltendem Abgang, so präsentiert sich der Lagrein Riserva Abtei Muri-Gries.

Seit 1788, seit dem Auszug aus der alten gotischen Klosterkirche in die neu erbaute Barockkirche, lagern die Weine von Muri-Gries in den ehrwürdigen Gemäuern der ehemaligen Augustiner Chorherren. Hier, im Herzen der Klosteranlage, wird Tradition gelebt, wird Geschichte erfahrbar. Seit Jahrhunderten dreht sich hier alles um den Wein. Im Innenhof steht eine große hölzerne Weinpresse, eine Torggl, mit der Jahreszahl 1549. Sie ist Auftrag und Verpflichtung für die Verantwortlichen der Klosterkellerei Muri-Gries. Moderne Kellertechnik gliedert sich harmonisch in die alten Klostermauern ein. IN der alten Stiftskirche befindet sich der Gärkeller, die sogenannte “Ansetz“, sowie Edelstahlfässer für die Lagerung.\n\nIm alten Keller der Burganlage aus dem 13. Jahrhundert lagern die großen Holzfässer und die Barriques. Schonende Verarbeitungsmethoden, traditionelle Arbeitsweisen bei gleichzeitigem Einsatz der modernen Kellertechnik – aber mit bewusstem Verzicht auf viele Finessen derselben – das sind nur einige der Grundprinzipien der Kellerphilosophie von Muri-Gries. Hier kommt der Wein zu Wort! Der Kellermeister schafft mit seinen Mitarbeitern all die Voraussetzungen, damit sich dieser bestmöglich zum Ausdruck bringen kann.

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