Moscato

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Die Muskatellertraube findet sich in ganz Italien. Sie gehört zu den großen historischen Rebsorten und ist somit eine der ältesten Reben die der Mensch kultiviert hat. Sie stammt vermutlich aus Vorderasien und gedeiht am besten in sehr warmen und trockenen Lagen. Der Name Moscato / Muskateller stammt vermutlch von „musca“ (lat.) Fliege ab. Plinius der Ältere bezeichnete sie  als uva apiana, als Bienentraube, da die stark duftende Frucht die Bienen wie magisch anzieht. Eine weniger prosaische Erklärung des Namensursprungs sind die kleinen Beeren, die dem Samen des Muskat-Nussbaumes sehr ähnlich sind. Es gibt verschiedene Hauptsorten in unterschiedlichen Beerenfarben; von weiß über rosa bis hin zu rot. Die weißen Varianten sind am weitesten verbreitet und häufig durch eine gewisse Süße und einen ausgeprägten Traubengeschmack gekennzeichnet. Muskatellerweine haben ein sehr breites Aromenspektrum, von banal bis hin zu den größten Kostbarkeiten der Weinszene. Die vorherrschenden Stile sind leichte Perl- oder Schaumweine wie Moscato d’Asti oder der bekannte Asti Spumante aus dem Piemont.

Leider haben Massenprodukte zu dem zeitweilig schlechten Ruf der Traube geführt, doch davon unabhängig kann man behaupten, dass aus Moscato einer der wunderbarsten Dessertweine erzeugt werden kann. Aus Sizilien stammt zum Beispiel ein vollsüßer Wein aus der Moscato d’Alessandria (auch „Zibibbo“ genannt). Die Moscato Rosa hingegen liefert in Südtirol und im Trentino bukettreiche Roséweine und der seltene Moscato Nero wird fast auschließlich im Piemont zu süßen Rotweinen ausgebaut. Kurz erwähnt sei auch der berühmte Moscato di Asti sowie sein schäumender Vertreter der Asti Spumante. Die Muskatellertraube hat nicht nur eine lange, sondern auch eine sehr bewegte Geschichte, versehen mit vielen Vorurteilen, Missverständnissen, handwerklichen und stilistischen Entgleisungen. Wir stellen im Folgenden einige besondere Muskateller vor, von denen wir überzeugt sind, dass sich ein Probieren lohnt.

Moscato di Terracina
Auf den kargen Hügeln südlich von Rom, welche die Stadt Terracina umgeben, wachsen alte Moscatoreben, die schon die Römer kannten und schätzten. Das außergewöhnliche Mikroklima hat hier eine besondere Spielart der Muskatellertraube hervorgebracht. Durch sorgfältige Kultivierung im Weinberg und sauberem Ausbau im Keller, ist der „Oppidum“ der Azienda Agricola Sant Andrea eine interessante Empfehlung: Der Wein hat eine kräftige, strohgelbe Farbe, mit goldenen Reflexen. Im Bukett ist er intensiv und typisch für den Muskateller: Noten von exotischen Früchten, Aprikose und vertrockneten Rosenblättern, komplex und überbordend – die „raumfüllend“ drängt sich auf. Im Geschmack reich und voll, ausgewogen in der Säure und überschwänglich aromatisch, mit Noten von Mandeln und einem langem Abgang. Das wichtigste Merkmal jedoch: Der Wein ist trocken, entgegen der üblichen Verarbeitung als Süsswein, ist der Moscato di Terracina Secco „Oppidum“ einer der wenigen, trockenen Muskateller – und gerade deshalb so beliebt. Aus derselben, lokalen Traube wird bei Sant’Andrea auch ein bemerkenswerter Spumante gekeltert.

Moscato Rosa
Der „Moscato Rosa“ ist eine in Südtirol und Teilen des Trentino beheimatete Mutation der der weißen Rebsorte Muscat Blanc, mit rötlichen Beeren. Die deutsche Bezeichnung „Rosenmuskateller“ lässt schon auf das Bukett mit intensiven Aromen von duftenden Rosenblättern schließen. Der „Rosatum“ von Schreckbichl wurde auf den Weinbergen rund um Girlan gelesen. Nach einer kontrollierten Gärführung, bis zur Erreichung der gewünschten natürlichen Restsüße, werden die Kleinstmengen einige Monate in Edelstahl ausgebaut. Am Gaumen ist er sehr gehaltvoll, geschmeidig und opulent mit angenehmer Vanillenote. Die Anbaufläche des echten Südtiroler Rosenmuskateller ist verschwindend gering, die daraus resultierenden Mini-Mengen eine langlebige Rarität.

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Moscato di Trani
Moscato di Trani wird in der Gemeinde Trani und in elf weiteren Gemeinden der Provinz Bari produziert. Es handelt sich dabei um eine der ältesten und nobelsten Rebsorten Apuliens. Schon um das Jahr 1500 wird sie von zahlreichen Gelehrten als „vorzüglich“ beschrieben. Wieder ist es das trockene und heiße Klima, das hier im Zusammenspiel mit der handwerklichen Winzerkunst von Franco di Fillipo, einen ungewöhnlichen Dessertwein hervorbringt. Auch seine Farbe ist ein intensives Gelb mit goldenen Reflexen und tiefer Farbsättigung. Reiche, ausgereifte Frucht mit hocharomatischem Geschmack, typischer Muskatellerstruktur und Duft nach verwelkten Rosenblüten. Voll und erhaben, nicht nur süß, sondern abwechselnd etwas alkoholisch, etwas süsslich, etwas fruchtig. Ein angenehmer Wein, dessen prunkvoller und duftender Geschmack lange andauert, mit einem leichten Vanilleton im Nachhall. Franco di Fillipo produziert auschliesslich Wein und Grappa aus dem Moscato di Trani, beides in streng limitierten Mengen und von höchster Qualität.

Pfefferer
Die Pfefferer-Traube gilt als eine der ältesten Rebsorten überhaupt, es handelt sich in der Tat um eine Variation der (Gold-)Muskateller-Traube. In Südtirol und im Trentino finden wir eine besonders interessante Art, die Pfefferertraube. Sie ist verhältnismäßig lang und teilweise doppelt geschultert; die Farbe der Beeren ist bei Vollreife gelb. Das Bukett der Traube ist würzig, sehr aromatisch, beides Merkmale, die man im Wein wiederfindet. Dieser überrascht die Weinliebhaber durch seine elegante, spritzige, jugendliche Art, sowie durch seinen ausgeprägten Charakter.

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