Montepulciano

on

Montepulciano – das ist doch der Wein aus der südlichen Toskana, aus dem Städtchen Montepulciano! So beginnen viele Gespräche zu diesem Thema. Verwechselt wird hierbei oft die wichtige adriatische Rebsorte Montepulciano mit dem gleichnamigen Ort in der südlichen Toskana. Für die toskanischen Produzenten des Vino Nobile di Montepulciano ist es inzwischen ein solches Ärgernis, daß man sich um die Unterlassung des leicht verwechselbaren Namens heftig bemühte. Im toskanischen Nobile di Montepulciano befindet sich indes kein Tropfen der Rebsorte Montepulciano, der vielmehr fast überwiegend aus der Rebsorte Sangiovese gekeltert wird. Wir wollen uns hier mit dem reichlich verkannten Potenzial der adriatischen Rebsorte Montepulciano beschäftigen.

Das (unbekannte) Potenzial
Findet man in der einschlägigen Literatur über die Nebbiolorebe (Barolo, Barbaresco…) und auch andere Rebsorten wie der Sangiovese (Chianti, Brunello …), schier endloses Material, so wird es um die Rebsorte Montepulciano recht still. Gelegentlich ein mitleidiger Hinweis auf einen Bauernwein, daraus allerdings auf eine mäßige Qualität zu schließen, das wäre fatal. Das Gegenteil ist der Fall, zumindest dann, wenn diese Rebe artgerecht aufgezogen wird, doch das gilt auch für alle anderen Rebsorten. Bei sorgfältiger Weinbergspflege, Erträgsbeschränkung, optimalem Witterungsverlauf und einer glücklichen Hand, kann man das enorme Potenzial eines großen, autochthonen Weines der Adria entdecken. Ein Indiz dafür ist auch die Tatsache, daß seit Jahrzehnten sein Wein als Verstärker für schwache Rote aus Mittel- und Norditalien äußerst gefragt ist. Wobei die Lieferanten, hauptsächlich Genossenschaften sind und nicht unbedingt ihre Topqualitäten verkaufen, sofern sie diese denn haben. Bisher ist der Montepulciano d’Abruzzo häufig als günstiger Massenwein in Erscheinung getreten, riesige Genossenschaften stehen dahinter, teilweise mit bis zu 10.000 Mitgliedern. All das war möglicherweise nötig, in einer Zeit in der Wein wie Bier konsumiert wurde, doch diese Zeit ist vorbei. All diese Eindrücke lassen den Blick abschweifen von einem der besten Rotweinpotentiale Italiens, dem Montepulciano d’Abruzzo, der auch den Rosso Piceno und Rosso Conero, die überwiegend aus Montepulcianotrauben gekeltert werden dürfen.

Die Eigenschaften
Das Ursprungs- und Verbreitungsgebiet der Rebsorte Montepulciano liegt in den Gebieten um Chieti in den Abruzzen, und im Bereich von Ascoli Piceno in den südlichen Marken, also vor allem an der Adriaküste. Sie wird in Südhanglagen in Höhen bis zu 500-600m angebaut, wobei die besten Ergebnisse in Höhenlagen um 300m zu erwarten sind. Der Austrieb und die Beerenreife ist spät, geeignet für gute Lagen mit leichten, kalkhaltigen Böden. Die Traube ist mittelgroß bis zylindrisch, lockerbeerig. Die Beere ist mittelgroß, oval, schwarzviolett, beduftet, dickschalig. Die dicken Schalen ergeben bei günstiger Reife eine enorme Menge an Farbstoffen. Der Wein ist körperreich, robust, samtig, voll, von geringe Säure, und dunkler rubinroter Farbe, in der Jugend leicht tanninbetont. Geeignet für längere Reife, dann weich, fein und ausgewogen. Manche Montepulcianoweine können sehr jung, also bereits sechs Monate nach der Lese getrunken werden. Die meisten Winzer lagern ihren Montepulciano jedoch volle zwölf Monate im Holzfaß. Für große Gewächse wird der Ausbau in großen oder kleinen Eichenfässern sogar noch erweitert. Dabei gewinnt der Wein an Raffinesse und Komplexität.

teaser_rebsorte_montepulciano

Montepulciano bei www.gerardo.de

Hinweis
Beim Wein informieren sich die Weintrinker hauptsächlich über den Alkoholgehalt, aber im Wein findet man auch Polyphenole, vor allem im Rotwein. Es liegt am Herstellungsverfahren, denn Polyphenole stammen aus den Beerenhüllen. Vor allem die dickschaligen Trauben sind optimale Polyphenol-Lieferanten.

Weiterführende Links zum Thema